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St. Galler Tagblatt / 3. Oktober 2002

Eine Erinnerung für das Leben


Der Gaiser Karl Göltenboth blickt zurück auf das grosse Erlebnis mit dem Musical Din Quixote

Hans Hürlemann

Gais. Karl Göltenboth hat als Präsident in den letzten anderthalb Jahren viel Herzblut für das grandiose Musical-Spektakel des Gaiser Gemischtchores vergossen. Er blickt zurück auf eine strenge, aber begeisternde Zeit.

Ein wenig müde sieht er schon aus, Karl Göltenboth, der in den letzten anderthalb Jahren als Hauptverantwortlicher das Werden des grossen Musicalprojekts des Gemischten Chores Gais dirigierte. Es ist aber ein himmelweiter Unterschied, ob man nach einer langen, nutzlosen Plackerei auf dem Hund ist oder ob man am Ende einer grossen Anstrengung mit tiefer Befriedigung spürt, dass man zwar die Kräfte bis zur Grenze ausgeschöpft hat, dass sich aber all das gelohnt hat. Diese Genugtuung kann man auch von Karl Göltenboths Gesicht ablesen.

Verschworene Gemeinschaft

"Das Publikum hat nach den Vorstellungen praktisch einstimmig die Gesamtleistung bewundert und nicht Einzelleistungen hervorgehoben", fasst er zusammen und dreht sich eine Zigarette. Bei solchen fast automatisch ablaufenden Bewegungen lässt sich trefflich philosophieren. Vor allem, wenn man zum Gespräch mit dem Berichterstatter auf einem Tannentötzlein vor dem Don-Quixote-Theater hockt und sich eine gnädige Herbstsonne auf den Kopf brennen lässt. Im September war nämlich die Witterung bekanntlich nicht immer besonders gnädig, und unter der lausigen Kälte litt natürlich auch die Gemütlichkeit in den Räumen der Gaiser Musicalaufführung. "Diesem Aspekt müsste man bei einer nächsten Aufführung mehr Beachtung schenken", sagt Karl Göltenboth. Im Zuschauerraum, der 338 Sitzplätze bot, wurde in den kalten Zeiten zwar geheizt. Leider aber waren die Temperaturunterschiede ziemlich extrem: Die Zuschauer in den obersten Reihen beklagten sich über fast tropische Zustände, während die vordersten ganz unten vor der Bühne schlotterten. Das Publikum liess sich aber davon kaum beeindrucken und machte hervorragend mit trotz der klimatischen Unzulänglichkeiten.

Positives Echo

Die Handlung des Musicals über Don Quixote ist nicht ganz einfach zu verstehen, weil sie auf verschiedenen Ebenen stattfindet. "Bei allen Vorstellungen hat es mich immer wieder beeindruckt, wie sich die Leute von der Handlung in den Bann ziehen liessen trotz des schwierigen Ablaufs", meint Karl Göltenboth und fügt an, dass man bei einer nächsten Gelegenheit noch vermehrt auf die Platzierung der Sitze achten müsste, damit alle praktisch gleich gute Sicht auf die Bühne hätten. Eines allerdings wurde ganz allgemein mit Erstaunen und Freude zur Kenntnis genommen: Bis in die hintersten Reihen waren Text und Musik bestens zu hören, obwohl man auf elektronische Verstärkung verzichtet hatte. Allerdings liessen sich die Gaiser von einem erfahrenen Akustiker beraten, und das lohnte sich unbedingt. Viel Lob erhielt auch das so genannte "Vortheater", ein spanischer Markt und die passende Gastronomie. "Vor allem im kalten Wetter war die Paella ein Renner - allerdings nicht bei allen, denn einzelne Einheimische konnten sich nicht anfreunden mit Crevetten, Tintenfisch und Muscheln", sagt der Präsident und grinst. Die Liebhaber von mittelmeerischen Genüssen waren aber des Lobes voll und fragten oft nach der Adresse des Catering-Dienstes, der für die recht umständlichen Menüs zuständig war. Viele konnten es fast nicht glauben, dass in der Küche Zivilschutzangehörige mit Bravour die Kelle schwangen und dass der perfekte Service vor allem von Einheimischen geleistet wurde.

Eindrückliche Zahlen

In den anderthalb Jahren setzten sich 260 Mitwirkende unter der Regie des Gemischten Chors Gais für das Grossereignis ein. 28 Aufführungen fanden vom 16. August bis am 28. September statt, und sechs geschlossene Vorstellungen konnten an Firmen verkauft werden, die auf diese Weise Betriebsangehörigen und Kunden ein Geschenk machten, dass mit Begeisterung aufgenommen wurde. Im Gesamten kamen 10 000 Besucher nach Gais zum Musical, für das ein Budget von 430 000 Franken zur Verfügung stand. Wenn alles so abgeschlossen werden kann, wie es jetzt den Anschein macht, dann sollte ein kleiner Vorschlag übrigbleiben, der für spätere Grossanlässe auf die hohe Kante gelegt wird. Bis Ende der Woche werden die Bauten abgebrochen, und ungefähr 20 Tonnen Abfall (Holz, Gips, Kunststoff, Textilien etc.) werden zur Entsorgung abgeführt. Während all der Vorstellungen waren neben dem Ohnmachtsanfall eines Gastes nur Bagatellunfälle zu verzeichnen: Die Hauptdarstellerin Marina Grunder verknackste sich den Fuss bei einer Probe, konnte aber trotzdem auftreten. Zudem waren zwei gebrochene Zehen zu beklagen - eine davon gehört dem Präsidenten, denn Willy Koller, der Darsteller des Don Quixote, stampfte Karl Göltenboth mit dem schweren Stiefel auf den Fuss, als er als Gouverneur auf der Bühne stand. "Der Don Quixote ist für alle Mitwirkenden eine Erinnerung für das ganze Leben", sagt Karl Göltenboth zum Schluss und fügt an, dass es durchaus denkbar sei, dass der Gaiser Gemischtchor seinem Ruf als richtige Adresse für grosse Veranstaltungen auch in Zukunft gerecht werde - der Dirigent Michael Schläpfer träume bereits von einer Operette.

Befragt

Karl Göltenboth Präsident des Gemischten Chors Gais

Eine motivierte Truppe

Ein Musical mit solchem Aufwand ist doch für ein Dorf von der Grösse von Gais fast nicht zu machen. Haben Sie auch Hilfe von auswärts erhalten?
Ja, natürlich. Die Marktfahrer auf dem "Spanischen Markt", die Musiker und andere mehr kamen zum grossen Teil von auswärts. Im eigentlichen Ensemble der Akteure auf der Bühne waren aber nur acht weder Chormitglieder noch Gaiser, und der Regisseur Bruno Broder wohnt in St. Gallen. Von den 260 Mitwirkenden waren immerhin über 200 Einheimische.

Für viele Besucher war die Überraschung gross, als sie beim Eintreffen auf dem Theatergelände täuschend echte spanische Architektur vorfanden. Wie haben Sie denn das hingekriegt?
Selbstverständlich hatten wir da Fachleute aus der Baubranche und eine unglaublich motivierte Truppe von Freiwilligen, die bis zum Umfallen krampften. Der Aufwand war beträchtlich: Von den ungefähr 15 000 Frondienststunden entfielen auf den Bau selbst gegen 3000 Stunden.

Ist es nicht so, dass nach dem Abschluss der Vorstellungen die Begeisterung erlahmt? Klappt es trotzdem mit dem Abbruch der riesigen Bauten?
Und wie! Ich bin selber überrascht, wie auch jetzt beim Abbruch der Fassaden, die mit viel Liebe gestaltet worden sind, unsere Leute bei der Stange bleiben. So zweifle ich nicht daran, dass wir den Abbruch am Samstag beendet haben. (hn)